Winetasting at Home

Über ein Jahr ist nun schon alles anders. Auch hier aufm Blog ist es ziemlich ruhig geworden. Restaurants ausprobieren und darüber schreiben, ist gerade nicht drin. Selbst kochen ist angesagt. Aber ehrlich, die meisten meiner Lieblingsrezepte habe ich euch hier schon vorgestellt. Diese Woche gab es nun mal wieder was, was mich animiert hat, ein paar Zeilen zu schreiben. Schaut doch mal vorbei!

IMG_20210416_204546_568Okay, wenn ich ganz ehrlich bin, liegt es auch an wordpress.com, dass ich hier so wenig schreibe, die haben das komplette Programm so überarbeitet, dass ich es nur noch mit Mühe bedienen kann. Es macht einfach keinen Spaß mehr. Vielleicht sollte ich mich mal mit einem Umzug meiner Inhalte befassen… Oder Wein trinken. Womit ich schon beim Thema bin. Wir alle trinken in der Pandemie wahrscheinlich zu viel! Und das, obwohl wir gar nicht in Bars & Co gehen können. Ich habe in dieser Woche an meinem ersten digitalen Winetasting teilgenommen. Und was soll ich sagen, es war ein echter Erfolg! Nicht nur, dass ich Freunde in Athen ein bisschen unterstützen konnte. Ich habe auch echt was gelernt. Und mal wieder einen Abend mit Leuten verbracht, die ich gar nicht kenne – und es dennoch genossen. Alles virtuell, versteht sich!

Gute Vorbereitung ist alles

Auf dem Foto seht ihr mich kurz nachdem ich den Rechner im Homeoffice runtergefahren und das Testing vorbereitet habe. Die Weine sind vom Weingut Hatzimichalis in Griechenland, dazu gleich noch mehr. Organisiert und vorbereitet hat das alles meine liebste Weinbar in Athen – das Cinque. Über das Cinque und seine tollen Inhaber habe ich hier ja schon geschrieben – und sie kommen sogar in „Keine Liebe der Welt“, meinem ersten Roman, vor. Wie so viele Restaurants, Cafés und Bars überall auf der Welt leiden sie aktuell sehr unter der Corona-Situation. Während man bei ihnen To-Go bestellen kann – was leider nicht bis Karlsruhe funktioniert ;) –, kann man zum Glück auch Geschenke ordern oder eben ein Winetasting (über die Kosten für UPS schweige ich hier mal einfach). Für mich, die ich Griechenland und Athen sehr vermisse – und gerne Wein trinke, lohnt es sich also doppelt und dreifach mal was Neues auszuprobieren. Die Bestellung und Lieferung haben problemlos funktioniert. Es hat etwa eine Woche gedauert bis das kleine Päckchen bei mir eingetroffen ist. Und es war wirklich klein. Die drei Flaschen, ein bisschen was Nettes drumherum und fertig. Da bekommt man von Amazon schon mal größere Pakete für einen winzigen Bleistiftanspitzer… Bezahlt habe ich übrigens per PayPal. Alles easy, also. Mit dem Päckchen kommt ein Code für Zoom, über das das Tasting läuft. Und schon geht es los (ach ja, es gibt eine Stunde Zeitverschiebung. nicht vergessen…)!

Meet the Winemaker

Diese Weinprobe hatte einen besonderen Clou. Sie wurde vom jungen Winzer begleitet, dessen Familie die tollen Weine produziert. Leonidas Hatzimichalis ist keine 30 – und seit seiner frühesten Kindheit ins Weingeschäft involviert. Die Praxis hat er von Papa Dimitris Hatzimichalis mitbekommen, der das Weingut bereits 1973 gegründet hat. Seine Geschäftsskills hat er sich an der Uni in Boston erworben. Ihr Weingut liegt im Atalanti Valley, nördlich von Athen beim Berg Parnassus. Der wiederum ist die Heimat von Delphi, dem heiligen Ort der griechischen Götter und Musen, der auch in „Keine Liebe der Welt“ eine Rolle spielt. Wie hätte ich also nicht dabei sein können!

Ca. 12 Leute haben am Tasting teilgenommen, das auf Englisch stattfand. Ein bisschen Griechisch war zum Glück auch zu hören. Obwohl mich das fast noch ein bisschen trauriger gemacht hat, als ich eh schon bin. Ob es 2021 was mit einem Besuch meines Sehnsuchtsortes wird? Mit dabei waren ein Wein-Fan aus Paris – und ganz viele Griechen, aus Athen und auch aus Kreta. Probiert haben wir einen Weißwein namens „Assyrtiko“, eine besonders hochwertige griechische Rebsorte, die eigentlich von den Ägäischen Inseln stammt. Er duftet nach grünem Apfel und schmeckt nach mehr… Oder besser nach Meer? Ich kann ihn mir jedenfalls toll mit Blick aufs Wasser vorstellen, in einer lauen Sommernacht, ein paar Häppchen dabei. Ein weiterer Wein war ein „Cabernet Sauvignon“, eine französische Traube, von der sogar ich vorher schon mal etwas gehört habe…

Italienischer Wein aus Griechenland

WeinBMir der liebste von den drei probierten Weinen war der „Aglianico“, ebenfalls ein Rotwein. Die Sorte ist Weinkennern aus Italien bekannt, wo sie als besonders gut gilt. Ursprünglich sollen die antiken Griechen diese Rebsorte mit nach Italien gebracht haben. Und Dimitris Hatzimichalis hat sie quasi zurück in die alte Heimat geholt. Dieser Wein duftet – wie ich finde – nach schwarzen Johannisbeeren. Und auch nach Gewürzen. Aber da fiel es mir ehrlich gesagt schwer, eine differenzierte Unterscheidung zu machen. Dieser Johannisbeeren-Duft hat mich aber echt angemacht. Der Wein ist voller Tanine und sollte länger reifen, um richtig „rund“ zu werden. Im Tasting habe ich erfahren, dass er gut zu Lamm passt (na, klar!), aber auch zu einem Pilz-Risotto. Diesen Tipp hat eine Teilnehmerin gegeben – und ich habe ihn am nächsten Tag gleich mal ausprobiert. Denn nichts mag ich so gerne wie ein Pilz-Risotto! Und was soll ich sagen? Es stimmt! Leider hatte ich aus der kleinen Flasche nur noch einen Rest. Aber von diesem Wein bestelle ich mir bei Gelegenheit ein paar Flaschen.

Kleines Fazit

Ich werde bestimmt nie ein Wein-Profi. Aber das muss man auch gar nicht, um an so einem Tasting teilzunehmen. Es ist toll, mal ganz auf seine Geschmacksknospen und seine Nase zu vertrauen. Die sagen einem schon, was sie da schmecken oder riechen. Und wie toll ist es, wenn die Profis sagen, dass man recht hat! Außerdem hat mir der Abend noch mal gezeigt, dass Griechenland echt tolle Weine hat – von denen man hier leider kaum etwas weiß. Darum drücke ich Leonidas ganz fest die Daumen, dass er sein Ziel erreicht, den richtig guten Griechischen Wein in aller Welt beliebt zu machen und in die Gläser zu bekommen!