Heimattage: Karlsruhe und Drais

Was ein Wetter! Und dazu noch ein spannender Ausflug mit dem Stadtmarketing, die ja auch den Karlsruhe Blog betreiben, für den ich hin und wieder schreibe. Diesmal drehte sich alles um Karl Drais, den berühmten Erfinder und Ur-Vater des heutigen Fahrrads. Wer kommt auf seinen Spuren mit durch die Stadt?

_20170527_181506

Martin Hauge ist Karl Drais oder umgekehrt?

Heute habe ich Karl Drais getroffen. Ganz ehrlich. Okay, das Original weilt schon seit 1851 nicht mehr auf diesem schönen Erdenrund. Aber der hier ist doch auch ganz fesch – so mit Zylinder und natürlich einer Laufmaschine. Und hier gibt es schon den ersten Fallstrick! Das ist kein Rad, das ist eine Laufmaschine. Eine Draisine. Drais-Kenner und -Erforscher Martin Hauge – der Drais-Rundgänge durch Karlsruhe führt – legt sehr viel Wert auf die korrekten Bezeichnungen. Und warum auch nicht! Das hölzerne Ding, das man sogar in der Höhe verstellen kann, hat übrigens nichts mit der Draisine auf Schienen zu tun. Die hat Drais auch gar nicht erfunden. Vielmehr fand er es doof, so ein Gefährt mit den Händen zu betreiben. Denn in den Händen hat man schließlich deutlich weniger Kraft als in den Beinen. Kluger Mann!

Wer war Karl Drais?

Der Herr auf dem Foto oben ist wohl Karl Drais. So 1000%ig kann man das nicht sagen, denn von ihm gibt es so gut wie gar keine Bilder. Bei diesem ist man sich aber dann doch ziemlich sicher. Also, so sah er wohl aus. Karl Drais hieß übrigens mit vollem Namen Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn und wurde am 29. April 1785 in Karlsruhe geboren. Welches sein Geburtshaus ist, ist auch nicht so ganz eindeutig. Und in dem Haus an dem das Schild da oben hängt, hat er gar nie gewohnt… Und so ziehen sich Halbwahrheiten und Unwissenheit durch die „Fakten“, die man über den klugen Erfinder zu wissen glaubt. Für „meinen“ Karl Drais ist das ein echtes Problem und ein Grund auf Gott und die Welt und vor allem die Stadt Karlsruhe böse zu sein, sehr böse (Oh, jetzt benutze ich schon Trumpsches Vokabular…)

_20170527_181054

Wir feiern 200 Jahre Fahrrad!

Also weiter mit den Fakten: Drais war wohl kein besonders guter Schüler. Vielleicht hatte er auch nur keine Lust aufs Stillsitzen?! Vor allem die Sprachen mochte er nicht. Mir ist das ja sehr sympathisch. Denn dieses Vokabeln lernen, braucht echt kein Mensch! Dafür hatte er einen wachen Geist und liebte Erfindungen. Sogar eine Art Schreibmaschine geht auf sein Konto. Aber das Ding, mit dem er auch bei heutigen Schülern bekannt ist, ist eben seine Draisine. So richtig bequem sieht sie ja nicht aus. Aber der gute Karl, der nach der Schule Forstmeister bei einem Onkel gelernt hat, ist damit 1818 von Mannheim bis nach Paris gefahren! Mannheim war übrigens auch einer der Wohnorte von Drais. Darum gibt es auch immer wieder einen Drais-Wettkampf zwischen beiden Orten. Da will ich mich aber nicht einmischen. Ist mir wurscht…

Was das Leben bringt

Jetzt könnte man denken, der Drais, boah, den fanden bestimmt alle super. Schließlich hat er ein cooles Gefährt erfunden, mit dem man sogar bis Paris kommt. Aber das war leider nicht so. Einige Kleingeister, leider mit politischem Einfluss (die gibt es heute auch noch!), mochten den Drais nicht, fanden andere Radl-Erfindungen besser oder hatten einfach Langeweile. Und so war der Mann nicht gern gesehen. Verbreitet wurde z.B., dass seine Maschine unglaublich schwer sei. Was gar nicht stimmt, auch wenn das Holzgestell mit den Holzrädern vielleicht so aussieht. Verkauft wurden zunächst trotzdem welche, auch für Kinder. Für Frauen nicht, die durften nicht mit SOWAS fahren…

Schließlich wurde der Gebrauch der Draisine sogar ganz verboten. Obwohl das wohl schon wieder einer der unklaren Punkte in der Drais-Historie ist. Denn laut „meinem“ Drais hat ein alteingesessener Karlsruher Spielzeughändler in der Zeitung mit den Laufmaschinen geworben, auch noch nach dem Verbot. Also hatten die Kids jedenfalls ihren Spaß!

Trauriges Ende

Um noch einmal auf die Kleingeister zurückzukommen. Die sorgten u.a. dafür, dass der nette Herr Drais übel verprügelt wurde. Gleich zwei Mal. Außerdem war er Teil der Badischen Revolution, was dem Adel irgendwie missfiel… Zu dieser Zeit legte er auch seinen Adels-Titel nieder, denn der passte nicht zum Revolutionieren! Nachdem der Aufstand schief ging, wurde auch Drais dazu verdonnert, für den Schaden mit seinem Vermögen zu haften. Ihm blieb so ziemlich nichts. Vor der Entmündigung konnte ihn seine Familie gerade noch retten. Nichts desto trotz starb der kluge Mann ohne einen Heller in der Tasche und ohne die Anerkennung, die er mit Sicherheit verdient hatte.

Info: Die Tour auf Drais‘ Spuren durch Karlsruhe könnt ihr übrigens auch machen – vor allem weil es noch so viele mehr „Fakten“ zu klären gibt! Es gibt noch Termine am 2.7. und 22.7., außerdem kann man die besondere Stadtführung als Gruppe auch buchen. Alle Infos und den Kontakt gibt’s bei Danke Karl Drais. Zudem könnt ihr noch bis zum 25. Juni die Drais-Ausstellung im Regierungspräsidium am Rondellplatz anschauen. Los, los!

_20170527_181412

Was es leider nur bis 28. Mai gibt, ist das „Riesenfahrrad“ vor dem Karlsruher Schloss. Das war wirklich eine fantastische Idee, bei Tag und bei Nacht. Und mit der heutigen Fernsicht, OMG!

2 Gedanken zu “Heimattage: Karlsruhe und Drais

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s