Street Art: Athen

Ich liebe diese Stadt. Und natürlich vor allem die antiken Bauwerke und Ausgrabungen. Man stelle sich nur vor, zu welcher Zeit hier schon Menschen gelebt, gearbeitet und die Demokratie erfunden haben! Aber darum soll es hier nicht gehen. Hier will ich euch das bunte und „wilde“ Athen zeigen. Viel Spaß dabei!

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Ochi heißt übrigens Nein. Und nein, man muss keine Angst haben

Noch bevor ich überhaupt einen Fuß in die Stadt gesetzt hatte, habe ich von allen Seiten eine Sache gehört/gelesen: Graffiti. Athen sei über und über damit gepflastert. Und das sei doch wohl schlimm – so die überwiegende Meinung. Und auch an meinem ersten Tag in der Stadt habe ich von amerikanischen Touristen die Frage gehört, ob die Graffiti wohl dafür stünden, dass es unsicher in Griechenlands Hauptstadt sei?!? Äh? Nee!

Kunst und Chaos

Kann sein, dass man als Amerikaner, der Graffiti mit Gangs in Zusammenhang bringt, ein bisschen ängstlich ist, ob der schieren Masse der bunten Bilder. Mir geht das da anders. Ich erfreue mich an jeder neuen Entdeckung. Sehe sie als Kunstwerk oder politisches Statement. Klar gibt es auch einen Haufen Schmierereien. Aber die gibt es anderswo ja auch. Bei meinem Stadtrundgang mit George, seines Zeichens ein echter Athener, habe ich mir die besten Stücke zeigen lassen. Und später dann auch noch selbst allerlei entdeckt. Und auch George findet, dass die Graffiti „mit Sinn und Verstand“ ganz schön toll sind, die anderen seien halt „nur Chaos“.

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Exarchia

Zu Beginn zeige ich euch gleich mal das beeindruckendste Bild, das ich entdeckt habe. Zu dem Graffiti, auf dem Pflanzen die Herrschaft über die bebaute Stadt übernehmen, gehört ein Spruch. Dieser sagt übersetzt (danke George!) so ungefähr: „Was hast du nicht alles getan, um mich zu begraben! Aber du hast vergessen, dass ich ein Samen bin…“ Da steckt ganz schön was drin und regt zum Nachdenken an.

Finden tut ihr dieses und andere Graffiti in Exarchia, dem Studentenviertel der Stadt. Hier – ganz nah dran an der alten Stadt und dem Zentrum – lebt die alternative Szene. Hier kommt es tatsächlich auch immer wieder zu Ausschreitungen und Straßenkämpfen. Hier ist auch der Ort, an dem 2008 der erst 15-jährige Alexandros von der Polizei erschossen wurde, die ihn (angeblich) für einen Autonomen hielten. Daraufhin brachen schlimme Kämpfe zwischen Anwohnern und der Polizei aus. Diesen Sommer ist zum Glück alles friedlich geblieben.

Das Graffiti befindet sich in einem kleinen Park, der auch eine Art Tribüne hat. Hier treffen sich die Bürger des Stadtteils, um über das Geschehen vor Ort zu diskutieren und abzustimmen. Eine schöne Einrichtung wie ich finde. Aktuell geht es um eine neue U-Bahnstation, die einen anderen Platz in seiner jetzigen Form komplett verändern würde. Und mit der Idee der Stadt sind Menschen in Exarchia nicht so glücklich, auch wenn es sie besser ans U-Bahn-Netz anbinden würde.

Street Art-Galerie

Die meisten Graffiti findet ihr tatsächlich in Exarchia. Aber auch im Vergnügungsviertel Psirri und in der Altstadt Plaka (siehe Ochi-Vogel). Hier zeige ich euch einfach mal die schönsten, die ich so gefunden und fotografiert habe.

Neben dem Graffiti auf dem ersten Foto möchte ich euch gerne auf die vielen Lampenschirme aufmerksam machen, die hier hängen. Witzige Idee!

Die Rollläden von Geschäften und Lokalen sind häufig Leinwand für Graffiti. Manchmal einfach nur so, manchmal erkennt man auch, was sich hinter der geschlossenen Türe verbirgt. Ebenfalls als Fläche beliebt: Hauswände an kleinen Freiflächen, die als Parkplätze genutzt werden. Und sind die nicht süß: Marienkäfer-Poller mitten im autonomen Exarchia-Viertel.

Die Grautöne im ersten Bild sind ein spannender Kontrast zum vielen Weiß in der Stadt. Und natürlich auch zu den sonst meist sehr bunten Graffiti. An diesem Parkplatz liebt man seine Stadt genau so doll wie ich es auch tue 😉 Und dann gibt es auch immer wieder ganz kleine Bildchen zu entdecken.

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Dieses spannende Generationen-Bild mit Zigarette habe ich in Piräus, der Hafenstadt vor den Toren Athens entdeckt. Vor dem blauen Himmel macht es sich besonders gut!

Auf der einen Seite gibt es Kaffee, auf der anderen Seite spielt die Musik. Musik ist übrigens ein ganz eigenes und ebenso spannendes Thema für die Griechen/in Griechenland!

Graffiti können auch pure Emotion! Das kleine schlafende Kind und das traurige Mädchen mit Zopf haben mich nachhaltig beeindruckt! Obwohl beide ganz schlicht und einfach gehalten sind. Man sieht, manchmal braucht es nicht viel, um die Menschen im Herzen anzusprechen.

Und dann noch die zwei. Trotz Krise habe ich in Athen viel Lebensfreude gespürt. Man lässt sich halt nicht unterkriegen. „Weiterarbeiten und das Leben genießen“ ist die Devise des Shopbesitzers, mit dem ich über die Krise gesprochen habe. „Mit der Politik und der Wirtschaft wird es eh nicht mehr besser“, sagt er. Ein Grund mehr, sich gegenseitig zu unterstützen und die Hände zu reichen!

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